Shabbat Shalom, Heidi!

Wow, nun ist schon wieder Sonntag und nach den vielen Highlights in den letzten Tagen muss ich erstmal richtig Luft holen . „Erneuerbarer Energien Event“, „Shabbat Abend“, „World Bank/ IMF Spring Scession“. Ab Donnerstag ging es von einem Event zum nächsten.
Woran ich hier eigentlich inhaltlich arbeite, wird mit an dem zurückliegenden Veranstaltungsmarathon wohl am Besten deutlich. Zum einen beziehen sich meine Aktivitäten auf das Ur-Grünen Thema „umweltfreundliche Energien“, zum anderen geht es um die Finanzkrise und deren Auswirkungen auf die Entwicklungshilfe und Möglichkeiten der Regulierungen von Kapitalmärkten. Am Anfang meines Aufenthalts habe ich zunächst das Thema „Atomausstieg“ bearbeitet. Da dieser in Deutschland zumindest begonnen hat, soll die Diskussion auch nach Amerika gebracht werden. Allerdings gestaltet es sich naturgemäß als relativ schwierig, gegen die Atomlobby fruchtbar zu argumentieren, so dass dieses Thema erstmal wieder in den Hintergrund gestellt wurde. Wirklich aktuell ist hier die Debatte zum „Emissionshandel“ und dem „Erneuerbare Energien Gesetz“. Ohne jetzt weiter auf die Details eingehen zu wollen, beides sind Erfolgsgeschichten aus Übersee und es wird erwartet, zumindest aber gehofft, dass noch in diesem Jahr ein „cap-and-trade bill“ verabschiedet wird. Das „Erneuerbare Energien Gesetz“ ist bislang eine regionale Angelegenheit, soll aber auch noch auf die ohnehin schon sehr ambitionierte Obama-Agenda gesetzt werden, so dass es entsprechend Redebedarf gibt. Deshalb gab es am Donnerstagmittag ein Veranstaltung, mit einem grünen Bundestagsmitglied und anderen Experten, die gerne auch als Briefing für das Personal rund um den Kongress gesehen werden kann. Leider sind wir bei schönstem Wetter den berühmten Moment zu spät am Capitol Hill eingetroffen, sonst hätte ich Hillary samt ihrem Stab als kleinen Bonus an unserem Veranstaltungsort vorbei ziehen sehen. Diese Woche sind nämlich die Anhörungen in den Ausschüssen des Kongresses gelaufen, so dass unsere Veranstaltung auch entsprechend gut besucht war.
Am Freitagabend ging es dann zur American University (AU), wo als Abschluss der „Holocaust Remember Week“ ein Shabbat Abend stattfand. Dabei hatten Hillel, eine jüdische Hochschulorganisation, und der American Jewish Committee bereits mehrere Veranstaltungen in dieser Woche ausgerichtet, die wir unterstützten und ich praktischerweise repräsentativ besucht habe.
Dabei gab es dann auch gleich mal wieder was über Amerika zu lernen. An der AU gibt es ein Gemeindehaus, für alle Religionsgemeinschaften. Diese müssen sich entsprechend abstimmen, wer wann das Gebäude nutzen möchte und können dann ihrem Glauben nachgehen. Alles demokratisch organisiert und die „Religion“ bleibt dabei Privatsache. Ohne jetzt den Bogen zu weit spannen zu wollen, aber die Debatte um „ProReli“ in Berlin zeigt einmal mehr, wie fundamental das Thema „Religion“ im Vergleich in Deutschland diskutiert wird.
Am Samstag habe ich es dann endlich geschafft, die „World Bank/ IMF Spring Scession“ zu besuchen. Bereits bei der Akkreditierung erhielt ich einen Prospekt, der mich zwar anhielt den Badge jederzeit sichtbar in den Gebäuden der Weltbank zu tragen, außerhalb jedoch, als Warnung vor Demonstranten, nicht offen zu zeigen. Der Tagungsort glich dann auch einer Festung, jedoch, Kritik hin, Kritik her, es verlief alles soft. Zunächst stand am Samstagmorgen ein Panel mit Heidemarie Wieczorek Zeul auf dem Programm. Das Thema klar, Perspektiven für die Entwicklungshilfe. Mittags ging es dann um die Veröffentlichung von Daten durch den „Bad Cop“ Weltbank. Dazu fand ein relativ offenes Panel mit Vertretern von NGO´s und der Weltbank statt. Etwas makaber wirkte zwar, dass die zu diskutierenden Fragen bereits vorformuliert waren, jedoch nutzte die eine oder andere die Gelegenheit für eigene Schwerpunkte. Nachmittags gab es dann noch ein Panel mit Wieczorek Zeul zu Reformierung von Weltbank und IMF im Zuge der Finanzkrise und einer veränderten Weltordnung im Hinblick auf die Partizipation neuer Schwergewichte und alter und neuer Problemregionen.
Mittlerweile ist es Sommer geworden. Seit gestern sind es etwa 30 Grad und stahlender Sonnenschein, so dass ich mir gleich ein schattiges Plätzchen samt Eiskaffee suchen werde, um mich auf die nächste unterhaltsame Woche einzustimmen.